Wie bringt man Netzwerk auf eine vorhandene Telefonleitung?

In vielen Bestandsgebäuden wie Hotels, Pensionen oder Bürogebäuden sind bereits umfangreiche Telefonleitungen verlegt. Diese vorhandenen Leitungen und Kabelwege lassen sich in bestimmten Fällen nutzen, um Netzwerk bereitzustellen – ohne neue Patchkabel verlegen zu müssen. Aus elektrotechnischer und IT-technischer Sicht ist das eine praktikable Lösung, sofern einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sind.

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Technische Voraussetzungen der Telefonleitung

Adernpaarung und Belegung aus IT-Sicht

Aus elektrischer und IT-technischer Sicht ist auf die korrekte Adernpaarung zu achten. Die verdrillten Adernpaare müssen sauber zusammenbleiben, um Übersprechen und Störungen zu minimieren. Die Belegung erfolgt nach TIA/EIA-568A oder TIA/EIA-568B, wobei an beiden Enden zwingend derselbe Standard verwendet werden muss.

In der Praxis bedeutet das, dass die Telefonleitung an beiden Enden auf RJ45-Dosen oder RJ45-Stecker aufgelegt wird. Die ursprüngliche Telefonbeschaltung wird dabei vollständig entfernt. Wichtig ist eine saubere, fachgerechte Auflegung, da gerade ältere Leitungen empfindlich auf schlechte Kontakte reagieren.

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Netzwerkleistung und realistische Erwartungen

Wird eine vorhandene Telefonleitung korrekt genutzt, lassen sich in vielen Fällen 100 Mbit/s Ethernet zuverlässig realisieren. Gigabit-Ethernet ist abhängig von Kabeltyp, Qualität und Länge und nicht immer garantiert. Für Anwendungen wie Gäste-WLAN-Accesspoints, IP-Kameras oder Smart-TV-Anbindungen in Hotels ist diese Lösung jedoch in der Praxis häufig vollkommen ausreichend.

Der große Vorteil liegt darin, dass kein aufwendiges Verlegen neuer Patchkabel erforderlich ist. Bestehende Kabelwege können genutzt werden, was Zeit, Kosten und baulichen Aufwand deutlich reduziert.

Typische Einsatzszenarien in Hotels und Bestandsgebäuden

Allgemeines Zwischenfazit:

Netzwerk über vorhandene Telefonleitungen ist keine Notlösung, sondern eine technisch sinnvolle Alternative, wenn die Voraussetzungen stimmen. Ein 8-adriges Kabel, eine Leitungslänge unter 100 Metern und eine fachgerechte Auflegung sind entscheidend. Wer diese Punkte beachtet, kann vorhandene Leitungen und Kabelwege effektiv nutzen und sich das aufwendige Verlegen neuer Patchkabel in Gebäuden wie Hotels sparen.

How-to: Wie bringt man Netzwerk auf eine vorhandene Telefonleitung?

Praxisanleitung aus elektrotechnischer und IT-technischer Sicht

Grundprinzip: Telefon raus, Ethernet rein

Eine klassische Telefonleitung ist punkt-zu-punkt für Sprachübertragung gedacht. Ethernet hingegen benötigt:

Das bedeutet ganz klar:

  1. Die Telefoninstallation wird vollständig außer Betrieb genommen.
  2. Die Leitung wird als reine Netzwerkleitung neu terminiert.

Geeignet sind nur Kabel mit 8 Adern, z. B.:

  • J-Y(St)Y 4×2×0,6
  • J-Y(St)Y 4×2×0,8
  • vergleichbare Installationskabel mit 4 Adernpaaren

Nicht geeignet:

  • 2- oder 4-adrige Telefonleitungen
  • sternförmig parallel geschaltete Nebenstellen
  • Leitungen mit Unterbrechungen oder Abzweigen

Länge prüfen

  • Maximale Länge: 100 Meter
  • Empfehlung: < 80 m, da Telefonkabel nicht für hohe Frequenzen optimiert sind

2. Trennung der Telefontechnik

Bevor irgendetwas umgebaut wird:

  • Telefonanlage / TK-Port abklemmen
  • Sicherstellen, dass keine Spannung mehr auf der Leitung liegt
  • Keine DSL-Splitter, Dosen, Verteiler oder Klemmleisten mehr dazwischen

Die Leitung muss durchgehend von Punkt A nach Punkt B verlaufen (z. B. Serverschrank ↔ Zimmer)

3. Adernpaare identifizieren (entscheidend!)

Jetzt kommt der wichtigste Teil: Ein 8-adriges Telefonkabel besteht aus 4 verdrillten Adernpaaren. Diese Paare dürfen niemals auseinandergerissen werden.

Typische Paare (je nach Kabel):

  • Paar 1: weiß / blau
  • Paar 2: weiß / orange
  • Paar 3: weiß / grün
  • Paar 4: weiß / braun

→ so wird aus Telefon Netzwerk:

Variante A: RJ45-Datendose
Empfohlen für Hotels und feste Installationen.
Variante B: RJ45-Stecker
Nur bei direktem Anschluss (z. B. Patchfeld).

Konfigurierte Accesspoints
an vorhandene Telefonleitungen anschließen.

Belegung nach T568B (Praxisstandard)

Beide Seiten müssen identisch belegt werden!

Belegung nach T568B (Praxisstandard) Beide Seiten müssen identisch belegt werden!

Auch wenn Telefon früher nur 2 Adern genutzt hat: Hier werden alle 8 Adern aktiv verwendet

5. Was elektrisch / IT-technisch passiert

Deswegen:

  • Ethernet nutzt differenzielle Signalübertragung
  • Jedes Adernpaar transportiert ein symmetrisches Signal
  • Die Verdrillung reduziert:
    • Übersprechen
    • elektromagnetische Störungen
    • Signalreflexionen

6. Typische Fehler aus der Praxis

(und warum es dann nicht läuft)

❌ Paare aufgetrennt („Hauptsache 8 Adern“)
❌ Unterschiedliche Belegung an beiden Enden
❌ Telefon-Klemmleisten dazwischen
❌ Abzweige zu anderen Dosen
❌ Mischung aus T568A und T568B
❌ Leitung im selben Kanal wie 230 V ohne Abstand

7. Test & Inbetriebnahme

  • Leitung mit Netzwerktester prüfen
    • Durchgang
    • Paarreihenfolge
    • Kurzschluss
  • Switchport auf 100 Mbit/s Auto-Negotiation
  • Optional: PoE-Test, falls Accesspoints versorgt werden
WLAN-Access-Point an der Decke eines modernen Hotelzimmers, professionell über LAN-Kabel angebunden, Teil eines stabilen Gäste-WLAN-Systems von Aplas IT

Fazit für Elektriker, Elektroinstallateure & IT-Techniker

Sie können nicht einfach eine Telefonleitung eben auf die Schnelle „nutzen“ – Sie müssen sie vollständig in eine Ethernet-Strecke umwandeln.

Wenn:

  • 8-adriges Kabel vorhanden ist
  • die Leitung durchgehend und kürzer als 100 m ist
  • alle 4 Paare korrekt auf RJ45 aufgelegt werden

… dann lässt sich Netzwerk über vorhandene Telefonleitungen technisch sauber realisieren. Das Umbauen von derartigen Telefondosen ist ideal für Hotels, Wohnungseigentümergemeinschaften, betreutes Wohnen, Studentenwohnheime, Monteurwohnungen, Ferienhäuser und überall dort, wo das Verlegen neuer Patchkabel vermieden werden soll, weil das viel Mehr Aufwand und Arbeit und vor allem Kosten bedeuten würde. MIt dem Umbau der vorhandenen Teleofnleitungen sorgen Sie fast im Handumdrehen für stabiles Gäste WLAN auf den Zimmern oder Fluren.

Warum muss es ein 8-adriges Kabel sein?

Kurzfassung vorweg: Weil Ethernet physikalisch vier Adernpaare benötigt – nicht „ungefähr“, nicht „manchmal“, sondern zwingend.

1. Ethernet arbeitet mit Adernpaaren, nicht mit einzelnen Adern

Netzwerkübertragung basiert auf symmetrischer, differentieller Signalübertragung.

Das bedeutet:

  • Ein Signal besteht immer aus zwei Adern
  • Diese zwei Adern bilden ein fest verdrilltes Paar
  • Störungen wirken auf beide Adern gleich und heben sich auf

Ein Paar = ein Übertragungskanal

2. Wie viele Paare braucht Ethernet wirklich?

10BASE-T und 100BASE-TX

  • benötigen 2 Adernpaare
  • also 4 Adern
  • aber:
    • nur bei perfekter Paarung
    • ohne PoE
    • ohne Reserven
    • nicht normkonform für neue Installationen

1000BASE-T (Gigabit Ethernet)

  • benötigt 4 Adernpaare
  • also 8 Adern
  • alle Paare senden und empfangen gleichzeitig

Moderne Netzwerktechnik geht grundsätzlich von 8 Adern aus, auch wenn nur 100 Mbit genutzt werden.

3. Warum „4 Adern reichen doch“ in der Praxis nicht stimmt

Das ist einer der häufigsten Denkfehler.

Technisch möglich ≠ betrieblich sinnvoll

Ja: 100 Mbit können theoretisch über 4 Adern laufen

Aber:

  • Autonegotiation erwartet 8 Adern
  • Switches prüfen Paarintegrität
  • PoE benötigt freie oder aktive Paare
  • Fehlerreserven fehlen vollständig
Warum Telefonkabel nur dann funktionieren, wenn sie 8-adrig sind

Telefonkabel mit acht Adern bestehen aus vier verdrillten Aderpaaren und verfügen über einen definierten Wellenwiderstand, der zwar nicht optimal für Ethernet ist, für kurze Strecken jedoch zuverlässig genutzt werden kann. Der vorhandene Aderquerschnitt ist in der Regel ausreichend, um Netzwerksignale stabil zu übertragen, solange die Kabellänge im zulässigen Bereich bleibt. Nur mit einem 8-adrigen Kabel ist eine korrekte Paarbildung möglich, die für eine symmetrische Signalführung zwingend erforderlich ist. Dadurch lässt sich eine saubere RJ45-Belegung umsetzen, wie sie für den Betrieb von Ethernet-Netzwerken notwendig ist.

Zwei- oder vieradrige Telefonleitungen erfüllen diese Voraussetzungen nicht. Ihnen fehlt die vollständige Paarstruktur, wodurch eine normgerechte und störungsarme Signalübertragung nicht möglich ist. Zudem besteht bei solchen Kabeln keine Rückfalloption für alternative Belegungen oder spätere Anpassungen, was sie technisch unflexibel und nicht zukunftsfähig macht.

5. PoE ist der eigentliche Gamechanger

In Hotels, Ferienwohnungen und anderen Bestandsgebäuden spielt Power over Ethernet nahezu immer eine zentrale Rolle, da viele Endgeräte direkt über das Netzwerk mit Strom versorgt werden. Dazu zählen insbesondere Accesspoints für ein stabiles Gäste WLAN, aber auch Überwachungskameras, Türstationen sowie VoIP-Telefone. PoE nach IEEE-Standard nutzt alle vier verdrillten Aderpaare eines Netzwerkkabels, verteilt die elektrische Leistung symmetrisch auf diese Paare und überwacht kontinuierlich die Leitungsparameter, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

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Stehen keine acht Adern zur Verfügung, ist ein normkonformer PoE-Betrieb nicht möglich. In solchen Fällen kann es zu einer ungleichmäßigen Stromverteilung kommen, was die Gefahr von Überhitzung erhöht. Moderne Switches erkennen diese fehlerhaften Bedingungen und reagieren aus Sicherheitsgründen mit einer automatischen Abschaltung des betroffenen Ports.

6. Normen & Verantwortung

Auch wenn es „irgendwie läuft“:

gehen immer von 8-adrigen Strecken aus. Als Fachbetrieb oder Elektriker gilt: Was nicht normgerecht ist, ist auch nicht abnahmefähig.

Fazit – die ehrliche Antwort

Vorteile bei der Arbeit mit Keystone-Modelen für die Umrüstung auf Netzwerk

In der Praxis wird die vorhandene Telefonleitung nicht direkt „umgeklemmt“, sondern sauber über ein Keystone-Modul terminiert. Genau hier unterscheiden sich viele Umsetzungen, da jeder Elektriker eigene Vorgehensweisen hat. Technisch korrekt ist jedoch, die acht Adern des vorhandenen Telefonkabels vollständig aufzulegen und dabei eine klare Paarstruktur einzuhalten.

Keystone-Module bieten den Vorteil, dass die Adern normgerecht, zugentlastet und reproduzierbar angeschlossen werden können. So entsteht aus einer ehemaligen Telefondose eine vollwertige Netzwerkdose mit RJ45-Anschluss, ohne dass neue Kabelwege geschaffen werden müssen.

Ein bewährter Praxistipp ist, immer mit der weit entferntesten Netzwerk- bzw. Telefondose zu beginnen. Diese Dose stellt in der Regel die kritischste Strecke dar, da hier Dämpfung, Übersprechen und mögliche Störeinflüsse am stärksten auftreten. Funktioniert die Netzwerkverbindung an diesem Punkt stabil, sind alle kürzeren Leitungen im Gebäude in der Regel ebenfalls problemlos nutzbar. Nach dem Auflegen der Adern im Keystone-Modul wird die Strecke idealerweise mit einem Leitungstester geprüft, um Paarvertauschungen oder Unterbrechungen frühzeitig zu erkennen.

Wichtig ist dabei, dass die Adernpaare nicht „frei kombiniert“ werden. Auch wenn das Kabel ursprünglich für Telefonie genutzt wurde, müssen die Adernpaare so nah wie möglich an einer Ethernet-Paarstruktur bleiben. Nur so lassen sich stabile Netzwerkverbindungen realisieren und spätere Erweiterungen, etwa der Einsatz von Accesspoints für Gäste WLAN oder PoE-fähigen Geräten, überhaupt sinnvoll umsetzen.

  • Ethernet stabil zu übertragen
  • Autonegotiation zu ermöglichen
  • PoE sicher zu betreiben
  • zukünftige Geräte wie Accesspoints anschließen zu können
  • Verantwortung als Fachbetrieb zu tragen

Alles darunter ist Bastellösung – technisch interessant, aber nicht betriebssicher. Kontaktieren Sie uns gerne für mehr Informationen. Hinweis: Mit Firmensitz in Nordfriesland bieten wir das Umrüsten der Telefonleitungen nur in Schleswig-Holstein, Großraum Hamburg sowie in den angrenzenden Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen an. Beratend und planend stehen wir Ihnen bzgl. LAN und WLAN deutschlandweit für Sie zur Verfügung.